Ist es nicht wunderbar, wenn Menschen sich friedlich und freundlich zum Essen einladen, einander lächelnd beschenken? All diese vielen Lichter mitten im Dunkeln, die Musik, die feinen Gerüche nach Gebackenem und Gebratenem, die überall durchschimmernde Erlaubnis zur Besinnung, die seltsam besondere Atmosphäre, festlicher und feierlicher als sonst. Kaum eine Zeit wird mit soviel Vorfreude erwartet. Und kaum ein Ereignis im Jahreslauf erzeugt solche Anspannung und Bauchschmerzen, oft schon Monate im Voraus.

Doch woher die Anspannung, die sich nicht selten in, mehr oder minder nüchternen, Konflikten entlädt? Liegt es an den übernommenen Abläufen und Traditionen, die vielerorts nicht hinterfragt, geschweige denn geändert werden dürfen? Liegt es an all den ganz unterschiedlichen Menschen mit ihren das ganze Jahr über so unterschiedlichen Leben, die einfach eine gute Zeit miteinander verbringen wollen, auf dieses Ereignis jedoch nur vorbereitet sind durch den Tatbestand, zu einer Sippe zu gehören? Sind da zu viele unbeachtete, alte und neue Dynamiken zwischen den Beteiligten, zu viel Unausgesprochenes unter Teppichen und Tischdecken? Genügt die Erwartung nicht, dass es gelingen wird, wenn alle nur wirklich versuchen, lieb zueinander zu sein? Gelingt es nicht, weil es – so wie immer – gelingen muss?

Vielleicht wollen Sie es diesmal ein wenig anders versuchen. Dann können folgende Fragen eine Anregung sein. Beginnen wir mit grundsätzlichem: Weshalb machen Sie das eigentlich? Was wollen Sie damit erreichen? Und was brauchen Sie dafür? Könnte es gerade bei diesem wichtigen Anlass nicht nützlich sein, sich darüber, vielleicht zum ersten Mal, wirklich zu verständigen, statt nur anzunehmen, es sei allen klar – und bei allen dasselbe? Dann: Wie können sich die am Fest Teilnehmenden inhaltlich und ablaufbezogen einbringen – vorab und während der Feier? Wie wird entschieden, wo die Prioritäten liegen sollen? Wer wird zum so Vereinbarten beitragen, wer wird was vorbereiten? Und wer wird sich darum kümmern, dass alle gehört werden – nicht wieder nur einige wenige? Nicht zu vergessen: Gibt es ein Bewusstsein dafür, dass unvermeidlich auftauchende Spannungen wichtig und sinnvoll sind – es nur darauf ankommt, wie die Beteiligten damit umgehen werden?

Es mag auf den ersten Blick verwunderlich erscheinen, soziokratische Meeting- und Organisationsprinzipien auf das Weihnachtsessen im trauten Familienkreis anzuwenden. Doch soziokratische Gestaltungsprinzipien sind nicht nur Teil eines berufsbezogenen Theoriemodells, sondern bilden die in der Realität vorhandenen „Regeln“ gelingenden sozialen Miteinanders ab. Wäre doch schade, wenn der Erfahrungsreichtum dieses nach fünfzig Jahren noch immer innovativen Social Design nicht auch dort wirksam werden könnte, wo es Ihnen besonders wichtig ist.

Was sagen Ihre Erfahrungen? Konsent?

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Frohe Weihnachten!