So funktioniert Soziokratie

Die vier Basisprinzipien

Konsentprinzip: Der Konsent regiert die Entscheidungsfindung. Das heisst: Alle Rahmenbedingungen und Grundsätze werden im Konsent entschieden.

Konsent bedeutet, niemand hat einen schwerwiegenden und argumentierten Einwand (nicht „Ja, das ist meine Lieblingslösung“, sondern mindestens „Mit Blick auf unser gemeinsames Ziel kann ich damit leben und werde die Entscheidung mittragen“).

Auf diese Weise wird sichergestellt, dass alle relevanten Perspektiven einbezogen werden. Qualitativ gute Entscheidungen auch tatsächlich umgesetzt werden.

Organisation in Kreisen: Ein Kreis ist eine Gruppe von Menschen, die innerhalb der Organisation ein gemeinsames Arbeitsgebiet hat und an einem gemeinsamen Ziel arbeitet. In diesem Kreis werden alle Grundsatzentscheidungen getroffen, ausgeführt und gemessen.

Jede Zusammenarbeit, wie locker sie auch gestaltet ist, braucht Vereinbarungen über Rahmenbedingungen, um die Zusammenarbeit in der Ausführung zu beschleunigen. Die Kreisstrukturen ermöglichen das passende Gleichgewicht zwischen Partizipation bei den Rahmenbedingungen und Effizienz bzw. Autonomie in der Ausführung.

Doppelte Verlinkung der Kreise: Die Verbindung zwischen zwei Kreisen besteht aus einer doppelten Verknüpfung. In der Regel wird von oben eine leitende Person bestimmt und von unten mindestens eine Delegierte gewählt.

Das bedeutet, dass jeweils wenigstens zwei Personen eines Kreises an der Beschlussfassung im nächsthöheren Kreis beteiligt sind. Auf diese Weise fliessen alle relevanten Informationen schnell und verlässlich durch alle Ebenen der Organisation bzw. werden entsprechend rückgekoppelt.

Soziokratische Wahl von Personen: Funktionsträger und Delegierte werden offen im Konsent gewählt. Jedes Kreismitglied gibt eine Stimme für eine Person ab und argumentiert seine Wahl.

Auf diese Weise wird die jeweils geeignetste Person für eine Funktion bzw. Aufgabe gefunden – und die Mitarbeitenden in ihrer individuellen Entwicklung gefördert.

Das gemeinsame Ziel

Weil Menschen und Organisationen intentional sind, also etwas wollen, ist es wichtig, die Zielsetzungen aller Beteiligten deutlich zu machen und mit dem Auftrag bzw. Zweck der Organisation zu verbinden.

Die Soziokratie legt Wert darauf, das gemeinsame Ziel zu klären, also festzustellen: Das sind die konkreten Angebote (Produkte, Dienstleistungen), die wir als Organisation (Bereich, Team) unserer relevanten Umwelt bzw. unseren KundenInnen zur Verfügung stellen wollen.

Die Ausrichtung auf das gemeinsame Ziel hilft allen Beteiligten, die jetzt am besten geeignete Entscheidung treffen zu können.


Das ermöglicht Soziokratie

Die Soziokratische Kreisorganisationsmethode (SKM) kombiniert die vorhandene (Prozess-) Hierarchie und Selbstorganisation, damit Sie die Vorteile beider nutzen können. Der Schlüssel dazu ist Gleichwertigkeit in der Entscheidungsfindung und das Hinzufügen einer Kreisstruktur:

  • Durch die zusätzliche Kreisstruktur zählt jedes Argument. In dem sicheren Klima, das Sie auf diese Weise schaffen, besteht ein starkes Gefühl der Mitverantwortung für die Überbrückung von Unterschieden: Sie treffen klügere Entscheidungen.
  • Und die vorhanden (Prozess-) Hierarchie stellt sicher, dass Aufträge und Aufgaben weiterhin effizient erfüllt werden.
  • SKM ist seit 1968 im Profit- und Non-Profit-Bereich erprobt. Die nationalen Büros der TheSociocracy Group (TSG) unterstützen Organisationen, diese einzigartige soziale Innovation zu nutzen.

Das bedeutet:

  • Bessere Entscheidungen – weil durch Konsent-Entscheidungen in der Kreisstruktur alle relevanten Perspektiven einbezogen sind
  • Weniger Meetings – weil konsequent zwischen Grundsatzentscheidungen über Rahmenbedingungen und Ausführung unterschieden wird. Das bedeutet: Vieles kann delegiert werden
  • Echte Mitverantwortung – weil die Kreisstruktur und die doppelte Verlinkung die Partizipation aller bei sie betreffenden Grundsätzen und Rahmenbedingungen gewährleistet, werden Entscheide verbindlich mitgetragen und umgesetzt
  • Mehr Agilität und Veränderungsfähigkeit – weil alle relevanten Informationen zur Verfügung gestellt und nachgefragt werden können und durch die doppelte Verlinkung der Kreise Informationen schnell und verlässlich durch alle Ebenen der Organisation fliessen bzw. rückgekoppelt werden
  • Mehr Dynamik und Begeisterung – weil alle das gemeinsame Ziel bei den Entscheidungen über Grundsätze und deren Ausführung kontinuierlich im Blick haben und die Soziokratische Wahl die individuelle Entwicklung fördert – im speziellen auch die sozialen- und personalen Kompetenzen
  • Entlastung des Managements – weil alle durch Übernahme von Verantwortung in den Kreisen Mitdenken und Vertrauen entwickeln können und die Soziokratische Wahl die Ressourcen und das Potenzial aller in den Mittelpunkt rückt

Die Geschichte der Soziokratie

Der Anfang

Prof. Dr. ing. Gerard Endenburg (1933) entwickelte die Methode der Soziokratischen Kreisorganisation (SKM). Er wandte sie erstmals Ende der 60er Jahre in dem von ihm geführten Elektrotechnikunternehmen an.

Mit der SKM baute er auf den Ideen von Kees Boeke, einem niederländischen Pädagogen und Pazifisten, auf. Er betrachtete die Soziokratie als eine Möglichkeit, die Prinzipien der Gleichheit der Quäker auch in Organisationen anzuwenden.

Dazu gehörte auch die von ihm gegründete Werkstatt-Schule, in der Gerard Endenburg im Zweiten Weltkrieg zur Schule ging. Dort erlebte er, wie Gleichberechtigung in der Entscheidungsfindung unter anderem zu einem hohen Mass an Engagement und einem ausgeprägten Gefühl der Mitverantwortung der SchülerInnen führte.

Kybernetik und Social Design

Nach seinem Studium der Elektrotechnik verband er Erkenntnisse aus der Kybernetik mit den Ideen von Kees Boeke zur Methode der Soziokratischen Kreisorganisation (SKM). Er arbeitete kurze Zeit für Philips, bevor er die Herausforderung seines Vaters annahm, ein kleines, verlustbringendes Unternehmen zu leiten, das dieser gekauft hatte. In weniger als einem Jahr machte er dieses Unternehmen profitabel und fusionierte es mit dem Unternehmen seines Vaters.

Als sein Vater Ende der 1960er Jahre in den Ruhestand ging, übernahm Gerard die Leitung der Endenburg Elektrotechniek mit dem Auftrag, sie nicht nur als profitables Unternehmen zu führen, sondern auch als praktisches Labor für die Erprobung innovativer Ideen zu Führung und Management. Die SKM ist ein Produkt der dort gewonnenen Erfahrungen.

Die Anerkennung der SKM durch die Gewerkschaften und die Entwicklung von “Soziokratischen Statuten” führten zu einer Freistellung von der Betriebsratsverpflichtung der Endenburg Elektrotechnik durch den niederländischen Sozial- und Wirtschaftsrat.

Die Anzahl der Implementierungen wächst

Seit der ersten Implementierung Ende der sechziger Jahre wächst das Interesse an der SKM. Dies führte 1978 zur Gründung des Soziokratischen Zentrums in Rotterdam. Das Zentrum ist die erste und älteste Ausbildungs- und Beratungsagentur im Bereich der SKM. Das Zentrum konzentrierte sich auf die Begleitung der Organisationen bei der Umsetzung der SKM und die Schulung von Managern, Trainern und Beratern bei der Arbeit mit dieser Methode. Im Laufe der Zeit wurden zu diesem Zweck immer mehr effektive Programme entwickelt.

Die Entwicklung der SKM wurde unter anderem auch durch die Aufnahme der Soziokratischen Leistungsbeurteilung und des Vergütungsmodells fortgesetzt.

Das Wachstum der Anzahl der Implementierungen und der Anzahl der Soziokratischen ExpertenInnen führte zu einem steigenden Bedarf an Qualitätssicherung. Dies führte zur Entwicklung Soziokratischer Standards und eines Zertifizierungsprozesses.

Da die SKM auch ausserhalb der Niederlande auf grosses Interesse stösst, wurde 2014 die TheSociocracy Group gegründet, in der soziokratische TrainerInnen und Beraterinnen aus aller Welt gemeinsam an der Weiterentwicklung der SKM, der Ausbildung und Weiterentwicklung von ExpertenInnen und der Unterstützung von Organisationen bei der Umsetzung der SKM arbeiten. Die Organisation verfügt über eine Franchise-Struktur (natürlich soziokratisch organisiert). Jedes Jahr kommen neue FranchisenehmerInnen aus verschiedenen Ländern hinzu.


Fragen zu SKM?
Wir helfen Ihnen gerne weiter

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  • Wie kann ich mit SKM beginnen? Kann ich alleine anfangen?
  • Wie oft muss man ein Kreistreffen abhalten?
  • Dauern Meetings mit SKM länger?
  • Wie kann ich mit Konsent entscheiden, ob es Meinungsverschiedenheiten gibt?
  • Was mache ich als Gesprächsleitung in einer Konfliktsituation?
  • Warum macht ein Topkreis Sinn?
  • Kann ich in einer soziokratisch funktionierenden Organisation meine endgültige Verantwortung als Manager behalten?
  • Diskutieren wir in unserem Kreis die richtigen Themen?

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